Wow, was für ein Unterschied zu Rio. Kaum angekommen, fühlte ich mich schon wieder wie in Europa! Und das lag nicht am kalten Wetter; die ganze Stadt strahlt europäisches Flair aus. Offenbar hat man hier vor über 100 Jahren auf französische Bauweise umgerüstet, vielleicht um die Unabhängigkeit von Spanien zu unterstreichen? Hostel-Empfehlungen hatte ich zwei. Das „Milhouse“ war allerdings leider ausgebucht, so dass ich mich im einige Blocks entfernten „Ostinatto“ einquartierte. Definitiv ein Ort für Schwindelfreie, die fünf Stockwerke hatten alle gut 5 Meter hohe Decken, die Zimmer waren über Galerien zu erreichen, zum Teil nur über Metallraster-Stege und man konnte von überall bis unten in die Lobby gucken. Sehr modernistisch designt, minimalistisch gar, wie uns die Website glauben macht. Die entstehenden Hall-Effekte fand ich für ein Hostel nur bedingt nützlich, vor allem am ersten Morgen, als ich nach dem frühen Flug von Iguassu und einem dekandenten Barbecue auf der Dachterasse relativ früh ins Bett gegangen war, nur um dann morgens zwischen sechs und halb sieben schön sämtliche Discoheimkehrer in die Lobby kommen hörte. Am Samstag waren die Hall-Effekte wieder ganz nett, denn da wurde ich rechtzeitig zum Frühstück um halb elf von „Barbara Barale“ geweckt, einer waschechten Amateur-Sängerin aus Buenos Aires, die offenbar zweimal die Woche im Frühstücksraum auf Ebene 1 auftritt. Bei dem Namen musste ich ein wenig an Barbaras Rharbarberbar denken, aber das ist eine andere Geschichte...
Im Ostinatto lernte ich auch recht schnell meine Tischgesellschaft für die nächsten Tage kennen: Jacqueline aus Singapur, Manouk aus Holland und Tim aus Kölle. Praktischerweise lag unser Hostel in unmittelbarer Nähe zu einem der Besten Steakhäuser der Stadt, dem „Desnivel“. Dort kehrten wir direkt die nächsten zwei Tage abends ein – bei traumhaften Steaks, denen man dort live beim Brutzeln auf dem Holzkohlegrill zugucken kann (und einem Steak-Preis von ca. 7 €) keine schwere Entscheidung. Und nach dem Rumpsteak vom ersten Tag musste ich natürlich auch das Filetsteak probieren. Jacquelines Begründung von fand ich übrigens schon etwas skurril: für sie definiert sich ein gutes Stück Steak dadurch, dass es schön blutig ist, und möglichst viel Fett beinhaltet. Sie wollte also einen zweiten Abend, um ein Steak mit mehr Fett zu bestellen. Das Resultat hatte gut und gerne 30% Fettanteil und die kleine, schlanke Asiatin war happy :-)
Die Uhren in Buenos Aires ticken übrigens auch etwas anders – Zum Abendessen geht man um 22:00 Uhr, zum Vortrinken in die Bar um 24:00, und in die Disko nicht vor 2:00. Nach unserem ersten Steakabend waren wir mit ein paar weiteren Leuten im Partyviertel Palermo, da war ich allerdings noch etwas gejetlaggt und bin nicht mehr mit in den Club gegangen :-) Am zweiten Steakabend hatte uns das Hostelpersonal motiviert, mit in eine Disco mit Live-Musik zu kommen, wo Freunde des Hauses einen Live-Auftritt mit ihrer Band haben würden. Die Mitglieder der Band stellten sich als entspannte akustische Gitarrenrocker heraus, wobei das ganze noch keinen völligen Proficharakter hatte. Danach gab es überraschend noch eine zweite Truppe, und die Jungs waren in einer ganz anderen Liga unterwegs. Was sag ich Liga, das war eine andere Sportart. Also, nicht Musik, sondern eher Comedy! Nur zwei Leute kamen auf die Bühne, der Sänger mit Türsteher-Statur, Ledermütze und Sonnenbrille, der Gitarrist hager und schlaksig mit venezianischer Karnevalsmaske. Das konnte nur böser Hiphop oder fiese Stromgitarrenmusik werden. Dachten wir. Was tatsächlich folgte war der übelst seichter Pop auf modern Talking Niveau, vorgetragen auf Spanisch. Ein Großteil des Sounds, u.a. der Beat kam vom Computer bzw. vom Keyboard, was neben dem Sänger stand, der zwischendurch immermal wieder zeremoniell und scheinbar wahllos auf Tasten drückte, ein leiser „Playback“-Verdacht drängte sich auf. Die meiste Zeit aber war der große und wohltrainierte Künstler damit beschäftigt, mit dem Mikrophon zu tanzen, und sich unpassenderweise auch noch auszuziehen. Am Ende hatte er nur noch ein knappes Unterhöschen an. Die Abwesenheit von Applaus muss er mit Ehrfurcht verwechselt haben....
Die Uhren in Buenos Aires ticken übrigens auch etwas anders – Zum Abendessen geht man um 22:00 Uhr, zum Vortrinken in die Bar um 24:00, und in die Disko nicht vor 2:00. Nach unserem ersten Steakabend waren wir mit ein paar weiteren Leuten im Partyviertel Palermo, da war ich allerdings noch etwas gejetlaggt und bin nicht mehr mit in den Club gegangen :-) Am zweiten Steakabend hatte uns das Hostelpersonal motiviert, mit in eine Disco mit Live-Musik zu kommen, wo Freunde des Hauses einen Live-Auftritt mit ihrer Band haben würden. Die Mitglieder der Band stellten sich als entspannte akustische Gitarrenrocker heraus, wobei das ganze noch keinen völligen Proficharakter hatte. Danach gab es überraschend noch eine zweite Truppe, und die Jungs waren in einer ganz anderen Liga unterwegs. Was sag ich Liga, das war eine andere Sportart. Also, nicht Musik, sondern eher Comedy! Nur zwei Leute kamen auf die Bühne, der Sänger mit Türsteher-Statur, Ledermütze und Sonnenbrille, der Gitarrist hager und schlaksig mit venezianischer Karnevalsmaske. Das konnte nur böser Hiphop oder fiese Stromgitarrenmusik werden. Dachten wir. Was tatsächlich folgte war der übelst seichter Pop auf modern Talking Niveau, vorgetragen auf Spanisch. Ein Großteil des Sounds, u.a. der Beat kam vom Computer bzw. vom Keyboard, was neben dem Sänger stand, der zwischendurch immermal wieder zeremoniell und scheinbar wahllos auf Tasten drückte, ein leiser „Playback“-Verdacht drängte sich auf. Die meiste Zeit aber war der große und wohltrainierte Künstler damit beschäftigt, mit dem Mikrophon zu tanzen, und sich unpassenderweise auch noch auszuziehen. Am Ende hatte er nur noch ein knappes Unterhöschen an. Die Abwesenheit von Applaus muss er mit Ehrfurcht verwechselt haben....
Am nächsten Abend waren wir dann alle in Punkto Abendessen für etwas Abwechslung zu haben, und fuhren ins „Milion“, eine Empfehlung, die ich von einer Bekannten hatte, die länger in Buenos Aires gelebt hatte. Das Milion musste man kennen, um es zu finden, ein Schild gab es nicht. Das Restaurant befand sich in einem normalen Wohnhaus und war wohl auch vorher mal die Wohnung einer wohlhabenden Familie. Sehr gediegen, und beinahe herrschaftlich, mit großen, einladenden Räumen und Stuck an den Decken. Dazu kamen moderne Licht-Effekte und Lounge-Musik; ein tolles Konzept. Das Essen war ein Traum, noch besser als das Desnivel. Natürlich gab es wieder Steak, „Bife de Chorizo“ hieß das Zauberwort, dazu Kartoffelgratin und ein Salat vom Allerfeinsten. Nur angemessen, wie ich fand, schließlich würde ich an dem Abend in meinen Geburtstag feiern. Um 24:00 waren wir in einer nahe gelegenen Bar, und ich bekam ein holländisches Geburtstagsständchen. „Lang soll die leven!“
An meinem Geburtstag wollten wir uns dann mal was gönnen, hatten wir uns schließlich auch verdient. Also ging es ins „La Cabrera“, nach unabhängigen Berichten das beste Steakhouse der Stadt! Hier wurde Steakkultur wirklich hochgehalten. Reservieren ging nicht, man steht in einer Schlage vor der Tür an und genießt gratis Champagner und Häppchen. Ich hatte glaube ich noch nie einen so kalten Geburtstag, nach zwei Gläsern mussten wir uns erst einmal in der Nahe gelegenen Bar aufwärmen. Als wir dann im La Cabrera unseren Tisch hatten, wollten uns fast die Augen übergehen. Unglaublich feine Sachen, die da angeboten wurden, und viel! Ich gab mich mit einem Kobe Steak zufrieden, allerdings sollte es schon die 500g Variante sein. Tim sah seine große Stunde gekommen, und bestellte ein 800g (!) Rumpsteak. Beilagen wurden natürlich auf ein Minimum beschränkt, Kartoffel-Püree und etwas Grillgemüse. Ihr könnt Euch in etwa vorstellen, wie zufrieden wir nach dem Abend waren? Selten etwas so leckeres gegessen, und das Beste war, es hörte gar nicht auf... :-) Danach waren wir noch in der gemütlich-ranzigen Bar „La Puerta Roja“, in unserem Heimatviertel San Telmo.
Habe ich jetzt die Tage etwas unterschlagen? Nun gut, da lasse ich jetzt mal Bilder sprechen:
Hier ein paar Impressionenen aus den Straßen von Buenos Aires

Hier ein paar Impressionenen aus den Straßen von Buenos Aires
HIer ein paar Eindrücke aus dem nahe gelegenen Tigre, viele Ferienhäuser am Flussdelta, sehr nett:
Und hier vom WM-Endspiel Holland:Spanien:
Den letzten Abend verbrachten wir wie meinen ersten Abend nicht im Restaurant, sondern in gemütlich privater Runde beim Grillen. Eine der „Neuen“ im Hostel hatte an dem Abend ein BBQ bei ein paar Freunden aus Buenos Aires, und Tim und ich konnten uns schön einklinken. Super Wohnung, WG für ca 10 Leute mit hohen Decken, rustikal und eher künstlerisch. Kleine Zimmer, aber Riesen-Wohnbereich. Von der Decke hing eine Riesen-Fleischwage, vielleicht hatte hier mal ein Metzger seinen Laden? Im Innenhof der ein festverbauter Steingrill. Gute Art , in Buenoes Aires zu wohnen, so könnte ich mir das auch vorstellen :-)
Euer carlitos
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